"Dem Nächsten zur Wehr..."

Der heilige Florian ist der Schutzpatron der Feuerwehr, sein Festtag ist der 4. Mai. Der Tiroler Sonntag hat aus diesem Anlass Michaela Posch zum Interview gebeten, die
seit 19 Jahren bei der Brandwache Rum in unterschiedlichen Funktionen aktiv ist.

Die Feuerwehr hat so viele Mitglieder, was war für Sie der Grund, zur Feuerwehr zu gehen? 

Michaela Posch: Mich hat die Feuerwehr immer schon fasziniert. Eine Organisation, wo sich Menschen zusammenschließen um anderen zu helfen, ist einfach etwas Schönes. Das ist wohl auch der Grund, warum so viele bei der Feuer-
wehr sind. Einfach um anderen zu helfen und auch der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Außerdem ist die Kameradschaft bei der Feuerwehr etwas ganz Besonderes. Man hat gemeinsam viel erlebt, das schweißt zusammen. Gerade bei Einsätzen muss man sich voll aufeinander verlassen können. Teil eines solchen Teams zu sein ist einfach toll.  

Was man manchmal bei Einsätzen erlebt, ist gewiss sehr
belastend. Wie werden die Einsätze aufgearbeitet? 

Posch: Das Gespräch in der Gruppe ist sehr wichtig. Da kann jeder nochmals erzählen, wie er die Situation erlebt hat. Im Einsatz müssen Entscheidungen oft in Sekundenschnelle getroffen werden. Im Nachhinein ist man dann klüger und hätte manches vielleicht anders gemacht. Auch darüber muss man reden. Gerade, wenn sich jemand selbst Vorwürfe macht, braucht er die Bestätigung der Gruppe.

Man kann sich auch an das Team für Stressverarbeitung nach belastenden Ereignissen (SvE) wenden. In Einzel- und Gruppengesprächen arbeitet man dann alles nochmal auf. 

Feuerwehreinsätze sind oft auch gefährlich. Wie kann man
weniger erfahrene Kameraden auf den Ernstfall vorbereiten?  

Posch: Es wird ihnen gesagt, dass das Wichtigste der Eigenschutz ist. Wenn mir selbst etwas passiert, kann ich auch an-
deren nicht mehr helfen. Jeder Mensch hat seine Grenzen und die muss man respektieren. Man lernt ihnen zu sagen „bis dahin und nicht weiter“. Außerdem braucht es viele Übungen und Schulungen. Ein Einsatz ist immer eine Ausnahmesituation. Da hat man nicht viel Zeit zu denken,
man funktioniert einfach. Deshalb muss jeder Handgriff sitzen. Bevor ein Mitglied bei einem Einsatz dabei sein darf, muss es mindestens ein Jahr lang bei der Feuerwehr bzw. Feuerwehrjugend gewesen sein, Proben mitgemacht und den Grundlehrgang absolviert haben. Ausbildung wird bei der Feuerwehr groß geschrieben, sie gibt die nötige Sicherheit, auch schwierige Einsätze zu bewältigen. 

Sie haben die Feuerwehrjugend erwähnt. Was kann man sich
darunter vorstellen? 

Posch: Die Feuerwehrjugend ist für Elf- bis 15-Jährige, die
sich für die Feuerwehr interessieren und schon früh mit
der Ausbildung zum Feuerwehrmann anfangen wollen.
In den Übungsstunden wird grundlegendes Wissen vermittelt, etwa was es braucht, damit überhaupt ein Feuer
entsteht, oder womit welcher Brand gelöscht werden kann.
Man probiert mit den Jugendlichen auch immer wieder
praktisch etwas aus und zeigt ihnen, wie man verschie-
dene Geräte bedient.  

Feuerwehrjugend bedeutet Zukunft für die Feuerwehr – der Nachwuchs sichert den Mitgliederstand – zudem wird Jugendlichen eine sehr sinnvolle Freizeitbeschäftigung geboten. In ganz Tirol gibt es derzeit 1.393 Feuerwehrjugendmitglieder.

Der hl. Florian ist der Schutzpatron der Feuerwehr. Welche Rolle spielt der Glaube bei der Feuerwehr? 

Posch: Der Leitspruch der Feuerwehr heißt „Gott zur Ehr dem Nächsten zur Wehr“. Das sagt schon sehr viel aus.
Natürlich spielt der Glaube eine Rolle, gerade bei schwierigen Einsätzen gehen die Gedanken oft nach oben. Das gibt einem Zuversicht und Kraft.  

 

© Freiwillige Feuerwehr

Zur Person

Mit 14 Jahren ist Michaela Posch als erstes Feuerwehr-Jugendmitglied und als erste Frau der Freiwilligen Feuerwehr Rum beigetreten. Fasziniert von der Feuerwehr war Michaela, seit sie denken kann. Daher hat sie es als erste gewagt, sich in der männerdominierten Feuerwehr zu beweisen.

Was zu Beginn nicht einfach war, ist heute kein Thema mehr, denn Michaela hat mit ihrem Einsatz gezeigt, dass sie auch oder gerade als Frau die Feuerwehr bereichern kann. Die mittlerweile 33-jährige Mutter von zwei Kindern war bereits Kommandant-Stellvertreterin der Feuerwehr Rum; derzeit ist sie Zugskommandantin und für die Ausbildung zuständig. Als Jugendsachbearbeiterin im Bezirk Innsbruck Land arbeitet sie mit den Jugendbetreuern der einzelnen Feuerwehren zusammen.

Michaela Posch ist als 14-jährige der Freiwilligen Feuerwehr Rum beigetreten. Foto: FFW Rum